| KELLER · DER JAHRGANG 2009 | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
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Rheinhessen 2009 - Ein einzig Herbstmärchen! Die Traube ist rund … Es fällt mir im Jahrgang 2009 schwer, mich auf Rebsorten oder Lagen festzulegen, die herausragten – denn, um im Fußballjargon zu bleiben: Jeder Schuss war ein Treffer!
Die Natur hatte frühzeitig im Jahr eine erste Ertragsreduzierung durchgeführt und uns damit eine wunderbare Steilvorlage geliefert. Es roch förmlich nach einem Treffer! Dann folgten wechselhafte Witterungsbedingungen in Juni und Juli, ehe es im August wieder freundlicher wurde. Optimale Bedingungen, denn die Rieslingrebe liebt übermäßige Hitze nicht! Der Bodenwasserspeicher war daher gut gefüllt – die Reben tankten Kraft und Energie für den nahenden Herbst. Auffällig in dieser Entwicklungsperiode war, dass die Laubwand sehr zügig wuchs, während die Beeren kaum an Volumen zulegten und herrlich klein blieben. Wenig Saft konzentrierte sich so in den aromatischen Beerchen. Was dann ab der zweiten Septemberhälfte geschah, kann man nur als Geschenk des Himmels bezeichnen. Ein traumhafter Altweibersommer hielt Einzug – die Weinreben profitierten von kühlen Nächten und nicht zu heißen Tagen. Die Säure baute sich nur langsam ab und gleichzeitig freuten wir uns über einen sehr moderaten Zuckeranstieg. Und es kommt eher selten vor, dass die spät reifende Rieslingtraube bereits Ende September recht gut zu probieren ist – in 2009 war es der Fall! Und genau hier lauerte eine große Gefahr: Wie eine begeisternden Offensivfußball spielende Mannschaft konnte man in einen tödlichen Konter laufen! Wer zu diesem Zeitpunkt der Verlockung einer frühen und damit risikoarmen Ernte erlag, hatte danach allenfalls saubere, aber noch viel zu saure und wenig komplexe Säftchen im Keller und so mancher Weinfreund wird sich später beim Probieren solcher Weine entgeistert fragen, wo denn bitte schön die Traumqualität des bereits heute allseits gelobten 2009 geblieben ist. Nur mit Geduld und Risikofreude waren in 2009 große Weine möglich, denn die beste Vorlage der Natur, wie die eines genialen Regisseurs auf dem Fußballplatz, nützt nichts, wenn der Stürmer vor dem Tor versagt. Das Runde muss eben ins Eckige, wie es Sepp Herberger so schön formulierte. Und nur optimal ausgereifte Träubchen dürfen bei uns ins Fass. Sie sind die Grundlage aller Qualität! Das Erntefenster für die absoluten Topqualitäten in unseren rheinhessischen Spitzenlagen lag beim Riesling zwischen dem 20. Oktober und 03. November, das heißt, etwas früher als in Jahrgängen wie 2008 und 2004, wo man die Ernte bis Ende November hinauszögern konnte und musste, um eine optimale Reife zu erzielen. Nach dem 03. November setzten heftige Niederschläge die deutschen Weinbaugebiete unter Wasser und so wie die Qualität als Geschenk der Natur und unermüdlicher Weinbergsarbeit in den Sommermonaten gekommen war, so wäre sie mit dem Regen davongeschwommen, wenn die Ernte zu diesem Zeitpunkt nicht eingebracht gewesen wäre! Doch nochmals zurück zu den Gegebenheiten zu Beginn der Lese: Anfang Oktober war nach der Ernte von herrlich leckeren Silvaner- und Burgundertrauben zunächst Geduld gefragt – DER Schlüssel zum Jahrgang 2009! Denn die Rieslingtraube profitiert wie keine andere von einer langen Vegetationsperiode und kalten Herbstnächten; sie gewinnt an aromatischer Konzentration und bildet dieses unverwechselbare Spiel aus zwischen Finesse, Eleganz und einzigartiger Säurefrische, das die großen deutschen Rieslingweine zu weltweit einzigartigen Unikaten macht.
Doch Geduld behalten ist nicht immer einfach. Denn wir haben ein phantastisches Ernteteam und natürlich brennt die Mannschaft auf ihren Einsatz. So war es eine der großen Herausforderungen der Ernte 2009, unseren Helfern immer wieder erklären zu müssen, warum wir bei besten äußeren Bedingungen die am Rebstock verführerisch golden schimmernden Beeren noch nicht abernten wollten. Aber uns fehlte in dieser Phase Anfang Oktober beim Verkosten der Beeren einfach noch der allerletzte Kick an aromatischer Intensität und Komplexität, nach der wir für unsere Spitzenweine Jahrgang für Jahrgang suchen. So nahmen wir uns kurzerhand sogar die Zeit für einen kleinen Abstecher an die benachbarte Nahe zu unseren Winzerkollegen Helmut Dönnhoff und Tim Fröhlich, die uns beide mit breitem Grinsen im Gesicht begrüßten und gut gelaunt ihre Weine so reichlich für uns ausschenkten, dass wir beinahe über Nacht hätten bleiben müssen... Und alles Warten hat sich gelohnt, denn als in der zweiten Oktoberhälfte die Temperaturen bis unter den Gefrierpunkt (!) absackten, kam es in den darauf folgenden Tagen zur erhofften Aromenexplosion in den Beeren. Die kühlen Temperaturen garantierten stabile Säurewerte und endlich waren feinste, durchdringende, explosive Fruchtaromen und präzise mineralische Noten beim Genuss der Rieslingtrauben zu erschmecken. Bis zum 3. November nutzten wir die geradezu märchenhaften Bedingungen, um unsere Parzellen in Morstein, Hubacker, Kirchspiel, AbtsE und die neue, kleine Lage im steilen Pettenthal an der Rheinfront zu ernten. Mein Fazit: Rot wie weiß, edelsüß wie trocken – 2009 wird als großartiger Jahrgang in die Annalen unseres Weingutes eingehen. Wir möchten uns bei allen ganz herzlich bedanken, die geholfen haben, diese Geschenke der Natur zum exakt richtigen Zeitpunkt in den Keller zu bekommen! Und unserer Fußballnationalmannschaft wünschen wir die Fortune, die man braucht, um Weltmeister werden zu können. Glück auf! Die Ernteergebnisse: Rieslaner vom Silberberg Die Rieslanerbeeren sind immer sehr klein- in 2009 waren sie winzig. Es gab wenig Botrytis, dafür einen hohen Anteil gesund eingetrockneter Beeren, die phantastische Frucht und Säure aufweisen. Von der Spätlese bis zur Beerenauslese ein Musterjahrgang für Rieslaner! Silvaner von Bürgel und Steingrube Silvaner zum „Reinbeißen“. Es wird einen knackig-frischen Basissilvaner geben und wir versprechen Ihnen mit großer Vorfreude ein geniales Fass aus alten Reben. Weissburgunder & Grauburgunder Die Ertragsreduktion von bis zu 30% infolge der Verrieslung bei der Blüte hat zu feinmaschigen, betörenden Burgundern geführt. Bilderbuchjahrgang! Feine Noten von Brioche und eine dichte, belebende Struktur weisen die Weine auf. Spätburgunder & Frühburgunder von BÜRGEL und Frauenberg
Auch hier finden wir ähnliche Mengenrückgänge wie bei den weißen Burgundersorten, Mostgewichte zwischen 96° und 99° Oechsle. Die Jungweine zeigen sich vor dem Säureabbau sehnig und nervig mit dichter Frucht und tief rubinroter Farbe.
Ein Prachtstück mit viel Charakter in 2009! Grosse Gewächs LAGEN Riesling Jancis Robinson, MW in der Financial Times: (Bei diesen Weinen haben sie, liebe Weinfreunde, wie gewohnt, im Frühjahr die Möglichkeit, ihre Wünsche auf unserer Reservierungsliste einzutragen.). MORSTEIN Westhofen
Mostgewichte von 91° bis 236° Oechsle. Tänzerisch und konzentriert zugleich. Feinnervige, kräuterwürzige Spätlese, Auslesen mit brillantem Spiel, atemberaubende Trockenbeerenauslese. Großer Kirchspieljahrgang! Die kleinen Trauben führten zu phantastischer Aromadichte. Im trockenen wie im fruchtsüßen Bereich ein tolles Hubackerjahr. Sehr feine Noten von Passionsfrucht treffen auf präzis- mineralischen, saftig, dichten – leicht rauchigen – Körper.
AbtsE Westhofen
Feinste Kalksteinexotik, gelbe Früchte, mineralischer Schliff! Die alten Reben waren 2009 in wahrer Topform. Diesen Gänsehaut-Jahrgang hätten die Bischöfe vor 500 Jahren mit Sicherheit auch geliebt.
PETTENTHAL Nierstein
Ausgezeichnete Bedingungen auch für unsere kleine Parzelle am Rhein. Feinrassiger, fruchtsüsser Kabinett und nach Steinobst, Kräuter schmeckendes, schiefrig, salziges Grosses Gewächs.
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